Kunst als „Visuelle Kommunikation“

Ausstellung mit Werken von Hans Bollen im Museum im Westrich

Eine Ausstellung mit Werken von Hans Bollen ist derzeit im Museum im Westrich in Ramstein zu sehen. Die Retrospektive wurde vergangenen Freitagabend eröffnet. Der Ramsteiner Maler und Grafiker starb im August 2016 im Alter von 89 Jahren.

Jahrgang 1927 verbrachte Hans Bollen als Sohn eines Webmeisters in Kaiserslautern geboren, seine Kindheit und Jugend in Ramstein. Er erlebte als Soldat das Ende des Zweiten Weltkrieges und besuchte die Staatliche Textilfachschule in Lambrecht. Als „Dessinateur“ und Webereileiter arbeitete Bollen in Kusel und bis Anfang der 1970er Jahre beim Ramsteiner Textilunternehmen Süßdorf. Malen und Zeichnen begann er in den 1950er Jahren zunächst im Selbststudium, später folgten Seminare und Kurse in München, Speyer, Salzburg, Trier, aber auch in Frankreich und Belgien. Er wurde 1965 Mitglied der Künstlergruppe „Roter Reiter“ in München und 1972 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler. Von 1975 bis 1987 leitete Bollen das „Haus der Jugend“ in Ramstein, wo er wo er das kreative Arbeiten besonders förderte.

Wie Karlheinz Schauder in seiner Einführung in das Leben und Werk des Künstlers feststellte, begann Hans Bollen seine Karriere mit Zeichnungen, Skizzen und Bildern von Landschaften, Objekten und Stilleben, „als ob er zeigen wollte, dass er die gegenständliche Malerei beherrscht“. Im Laufe der Jahre sei die Malerei jedoch immer abstrakter geworden. Diese „moderne Art des Sehens und Gestaltens“ erfordere Mut, das Gängige und Vertraute zu verlassen, ins Unbekannte aufzubrechen, um „innere Landschaften“ und „Bewusstheitszustände“ zu entdecken. Bollen habe, so Schauder, seine Kunst als „Visuelle Kommunikation“ verstanden. Durch Zeichen, Linien, Flächen, Farben und Schattierungen kommuniziere der Künstler mit dem Betrachter. Dabei habe Bollen wesentliche Anregungen aus Strichzeichnungen und der Schreibkunst des Fernen Ostens bezogen.

Das besondere Interesse Bollens galt dem Druckverfahren der Monotypie. Bei dieser Technik wird statt auf Papier oder Leinwand auf mit Farbe versehene Glas- Acryl- oder Metallplatten gezeichnet und gemalt. Solange die Farbe noch feucht ist, wird mit einer Presse auf Papier gedruckt. So entsteht ein Unikat, ein einmaliges Original. Schauder berichtete, dass Bollen zunächst noch Farbe verwandt habe, später jedoch nur noch Monotypien in schwarz-weiß angefertigt habe. Das Schmückende der Farbe sollte nicht mehr stören, der Blick sollte von der Oberfläche in die Tiefe gehen. Jeder Betrachter möge dabei das wiederfinden, was ihn bewege. Wie die Kuratorin der Ausstellung, Evelyn Weiß, betonte, habe Bollen seine Bilder kaum benannt und wenig datiert. Schauder interpretierte das wie folgt: Es scheint, als wolle der Künstler ganz hinter sein Werk zurücktreten“.

Mit seinen Reisen nach Indonesien zu seinem Bruder Heinrich Bollen, der seit Ende der 1950 Jahren in dem asiatischen Land als Missionar arbeitet, sei Hans Bollen zu einem „Maler zwischen zwei Kulturen“ geworden. Beeinflusst habe ihn dabei die Ikat-Kunst, eine Webtechnik, bei der das Garn vor der Verarbeitung abschnittsweise eingefärbt wird. Eine Bilderserie mit farbigen Fäden, die Bollen mit „1995 – Flores“ benannt habe, zeuge davon. So habe Hans Bollen seine Laufbahn mit textilem Gestalten begonnen und sei „am Ende zu gewebten Objekten und gefärbten Fäden“ zurückgekehrt.

Frau Weiß konnte zur Ausstellung zahlreiche Familienmitglieder, darunter Kinder, Geschwister und Enkel, begrüßen. Sie bedankte sich für die Leihgaben aus Familienbesitz, zu denen auch kleinere Zeichnungen und selbst gestaltete Alben gehören. Der 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Marcus Klein bedankte sich bei Frau Weiß und dem Förderkreis Heimatmuseum, die es geschafft hätten, nach der viel beachteten Ausstellung über die Textilindustrie in Ramstein erneut eine Ausstellung zu zeigen, die ebenfalls auf großes Interesse stoßen werde. Die Ausstellungseröffnung wurde mit musikalischen Beiträgen auf der Gitarre von Christoph Spanier, einem Neffen Bollens, gestaltet.

Das Museum ist dienstags von 8.30 bis 13 Uhr und 13.30 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 13 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung ist bis 8. April im Museum im Westrich zu sehen.

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Zur Eröffnung der Ausstellung von Hans Bollen in Ramstein waren alle Plätze im Museum im Westrich besetzt (Foto: St. Layes).

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