Die Natur am Kranichwoog braucht Ruhe!

Die Arbeiten am Kranichwoog im Bruch bei Hütschenhausen
kommen gut voran. Ein Weiher ist bereits fertig modelliert, bis Ende dieses Jahres,
so der Plan, werden alle drei Teiche fertiggestellt sein. Eine kleine Herde
karpatischer Wasserbüffel soll im nächsten Jahr angesiedelt werden, sie werden
im und um den Woog herum den Schilfbewuchs niedrig halten. Danach, so die
Vertreter des Naturschutzbundes (NABU), wird sich ein für die Region ganz
außerordentliches Biotop entwickeln. Allerdings braucht es dazu vor allem
eines: Ruhe.

Leider, so Alexander Weis und Alfred Klein, die vor Ort
für den NABU das Projekt betreuen, gibt es schon heute vermehrt Beobachtungen,
welche zu großer Besorgnis Anlass geben. So wurde der Uferdamm mit Quads und
Geländemotorrädern befahren, Lagerfeuer angezündet oder mit und ohne Hunde das
Gelände durchquert. Solche Verhaltensweisen könnten den Erfolg des gesamten Projekts
gefährden, zeigen sich Klein und Weis sehr besorgt. „Vor allem in der
Anfangszeit sollten die Sandflächen rund um den ersten Weiher möglichst nicht
betreten werden“, so Alfred Klein. Dafür gebe es einige stichhaltige
Gründe. „Wir wissen noch nicht, welche Pflanzenwelt sich auf diesen hellen
Böden einstellen wird. Es wird spannend werden, denn die Ausprägung in dieser
Größenordnung verspricht einiges. In der Moorniederung ist diese Bodenform noch
nie der Natur zur Besiedlung angeboten worden. Ein Botaniker wird daher die
Entwicklungsphase von Beginn an begleiten.“

Die Vogelwelt reagiere auf eine Betretung mit Flucht.
„Es sind in der Regel Bodenbrüter, die ihr Gelege sofort verlassen.
Bodenfeinde haben dann ein leichtes Spiel, die Nester auszurauben.“ So werde
der Flußregenpfeifer erwartet, der regelmäßig auf solchen Flächen brüte. Auch
der Kiebitz, seit dem Jahr 2000 „verschollen“, könne solche Biotope
wieder besiedeln. Ebenso der Wiesenpieper, dessen Bestand laut Roter Liste RLP
nur noch etwa 100 Paare betrage. „In der Moorniederung brüten etwa 15
Paare und darauf können wir stolz sein. Watvögel benötigen ruhige Ecken mit
Schlammflächen, um sich auszuruhen und dann weiter in den äußersten Norden
Europas zu starten. Ich denke da an Goldregenpfeifer, Waldwasserläufer oder
Bekassinen“, erläutert der Naturschutzexperte die Erwartungen. Und Klein
weiter: „Amphibien wie Kammmolch, Kleiner Wasserfrosch und der Moorfrosch
sind äußerst selten und benötigen Wasser für die Ablage ihres Laiches. Für den
Laubfrosch und die Knoblauchkröte sind Ansiedlungsprogramme gestartet worden.
Für den Laubfrosch verzeichnen wir schon erste Erfolge. Die Knoblauchkröte
gräbt sich in den Sand ein um sich unsichtbar zu machen, wir brauchen also
grabbares Substrat in Form von Lockersand.“

Und schließlich dürften auch die Insekten, die in
lockersandigen Böden ihre Bruthöhlen anlegen, nicht vergessen werden. In
unserer Region könnten wir zwei Arten von Sandlaufkäfern, die schon im Namen
ihre Geschwindigkeit verraten, beobachten. Es lohne sich also, die Fläche „in
Ruhe“ zu lassen.

Zusammen mit dem NABU appelliert auch Hütschenhausens
Ortsbürgermeister Matthias Mahl an alle, den mittlerweile eingezäunten Bereich
nicht zu betreten. „Später“, so Mahl, „kann man über einen oder
zwei Beobachtungstürme das Biotop einsehen, so dass alle Naturliebhaber auf
ihre Kosten kommen.“

(Bildtext:) Vogelarten wie Kiebitz (links) und
Bekassine (rechts) könnten sich am Kranichwoog wieder einstellen, wenn sich die
Natur ungestört entwickeln kann (Fotos: A. Weis/frei)
.

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